Die ambulante Pflege in Deutschland steht vor großen Herausforderungen: Der Bedarf an professioneller Unterstützung wächst kontinuierlich, während der Fachkräftemangel und steigende Anforderungen an die Berufsgesundheit die Branche prägen. Gleichzeitig bleibt die ambulante Pflege für viele Pflegebedürftige und ihre Familien die bevorzugte Versorgungsform, da sie individuelle Betreuung im eigenen Zuhause ermöglicht. In diesem Beitrag erhältst du einen umfassenden Überblick über die aktuelle Situation, die wichtigsten Belastungsfaktoren und Ressourcen sowie Lösungsansätze für eine gesunde und zufriedenstellende Arbeit in der ambulanten Pflege.
Die ambulante Pflege ist ein Wachstumsmarkt. Zwischen 2011 und 2021 stieg die Zahl der Beschäftigten um 52 Prozent, während die Zahl der ambulant versorgten Pflegebedürftigen um 82 Prozent zunahm. Seit 2017 werden mehr Menschen ambulant als stationär gepflegt. Im Jahr 2021 lag die Anzahl der Pflegebedürftigen in Deutschland bei rund 4,96 Millionen, davon wurden 84 Prozent zu Hause versorgt – 63 Prozent durch Angehörige und 21 Prozent durch ambulante Pflegedienste. Prognosen gehen davon aus, dass der Bedarf an ambulanter Pflege weiter steigen wird, getrieben durch den demografischen Wandel und gesellschaftliche Veränderungen wie die zunehmende Mobilität jüngerer Generationen und die höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen [1].
Die Berufsgesundheit in der ambulanten Pflege wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst. Zu den wichtigsten Belastungsfaktoren zählen Zeitdruck, Bürokratie, Überstunden, wechselnde Arbeitszeiten und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Die durchschnittliche Zahl krankheitsbedingter Fehltage lag 2023 bei rund 30 Tagen pro Jahr und damit deutlich über dem Durchschnitt aller Erwerbstätigen. Psychische Erkrankungen und Muskel-Skelett-Erkrankungen sind dabei besonders häufig. Auch die Arbeitszufriedenheit ist zwischen 2019 und 2023 gesunken – von 5,8 auf 5,4 auf einer Skala von 0 bis 10 [1].
Trotz dieser Herausforderungen gibt es positive Entwicklungen: Die Einkommenszufriedenheit ist nach Lohnerhöhungen gestiegen, und die Verfügbarkeit von Hilfsmitteln wie Pflegebetten und Liftern hat sich verbessert. Viele Betriebe setzen inzwischen auf flexible Arbeitszeitmodelle, Teamkultur und digitale Lösungen, um die Belastung zu verringern und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben zu fördern [1].
Die Arbeitsbedingungen in der ambulanten Pflege sind ambivalent. Einerseits profitieren Pflegekräfte von festen Arbeitsverträgen und einer verbesserten Bezahlung. Andererseits bleibt der Zeitdruck hoch, und viele Beschäftigte müssen ungeplant einspringen, wenn Kolleginnen und Kollegen ausfallen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird von knapp der Hälfte der Befragten als gut bewertet, doch eine ebenso große Gruppe sieht hier Verbesserungsbedarf. Besonders belastend empfinden Pflegekräfte die Bürokratie, den Zeitdruck und die mangelnde gesellschaftliche Anerkennung ihres Berufs [1].
Die Arbeitszufriedenheit ist in der ambulanten Pflege insgesamt höher als in der stationären Altenpflege oder im Krankenhaus. Dennoch denken etwa drei von vier Pflegekräften mindestens manchmal über einen Berufswechsel nach. Besonders die emotionale Erschöpfung und das Gefühl, den eigenen Ansprüchen nicht zu genügen, nehmen zu. Gewalt- und Respektlosigkeitserfahrungen durch Klientinnen und Klienten oder deren Angehörige sind ebenfalls ein Thema, das in der ambulanten Pflege jedoch seltener auftritt als in stationären Einrichtungen [1].
Zu den wichtigsten Ressourcen für die Berufsgesundheit zählen Fort- und Weiterbildung, Teamzusammenhalt, regelmäßige Supervision und die Nutzung von Hilfsmitteln. Viele Betriebe haben Einarbeitungskonzepte für neue Mitarbeitende etabliert und setzen auf digitale Tools zur Dokumentation und Kommunikation. Die Förderung von Autonomie und Mitspracherecht im Team, die Einführung von Springer-Pools zur Erhöhung der Dienstplansicherheit und die gezielte Ansprache von Männern als Pflegekräfte werden als weitere Lösungsansätze genannt [1].
Die Expertinnen und Experten betonen, dass Verbesserungen kurzfristig erreichbar sind, wenn Pflegekräfte aktiv in Veränderungsprozesse eingebunden werden. Der Aufbau einer wertschätzenden Führungskultur, die konsequente Nutzung von Digitalisierung zur Reduktion von Bürokratie und die Entwicklung alternativer Versorgungsmodelle wie das Buurtzorg-Modell werden als zukunftsweisend angesehen [1].
Die ambulante Pflege ist weiterhin eine weiblich dominierte Branche. Frauen und Männer erleben die Belastungen unterschiedlich: Männer empfinden die Arbeit häufiger als belastend, haben größere Probleme mit dem Berufsprestige und sehen die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben kritischer. Frauen fühlen sich häufiger durch mangelnde Wertschätzung belastet, nehmen aber auch mehr Freude und Erfüllung im Beruf wahr. Eine gezielte Förderung der Vereinbarkeit und des gesellschaftlichen Ansehens könnte die Attraktivität des Berufs für beide Geschlechter erhöhen [1].
Die ambulante Pflege bleibt trotz aller Herausforderungen ein attraktives Berufsfeld mit hoher Sinnerfahrung und Entwicklungspotenzial. Die größten Baustellen sind der Fachkräftemangel, die hohe Arbeitsbelastung und die mangelnde gesellschaftliche Anerkennung. Verbesserungen sind möglich – durch mehr Autonomie, bessere Arbeitsbedingungen, gezielte Ressourcenförderung und einen offenen Umgang mit Belastungen. Die Einbindung der Pflegekräfte in Veränderungsprozesse und die Nutzung digitaler Lösungen können die Berufsgesundheit nachhaltig stärken [1].
Zu den wichtigsten Faktoren zählen Zeitdruck, Bürokratie, Überstunden, wechselnde Arbeitszeiten, die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sowie die Verfügbarkeit von Hilfsmitteln und Fortbildungsmöglichkeiten. Auch die Einkommenszufriedenheit und die Teamkultur spielen eine große Rolle.
Die Arbeitszufriedenheit liegt in der ambulanten Pflege höher als in der stationären Altenpflege oder im Krankenhaus. Dennoch ist sie in den letzten Jahren gesunken, und viele Pflegekräfte denken über einen Berufswechsel nach. Emotionale Erschöpfung und das Gefühl, den eigenen Ansprüchen nicht zu genügen, nehmen zu.
Wichtige Maßnahmen sind die Förderung von Fort- und Weiterbildung, die Einführung flexibler Arbeitszeitmodelle, der Aufbau von Springer-Pools, die Nutzung digitaler Tools zur Entlastung und die Stärkung der Teamkultur. Auch eine wertschätzende Führung und die gezielte Einbindung der Pflegekräfte in Entscheidungsprozesse sind entscheidend.
Ja, Männer empfinden die Arbeit häufiger als belastend und sehen die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben kritischer. Frauen fühlen sich häufiger durch mangelnde Wertschätzung belastet, nehmen aber auch mehr Freude und Erfüllung im Beruf wahr. Eine gezielte Förderung kann die Attraktivität des Berufs für beide Geschlechter erhöhen.
Digitale Lösungen wie E-Learning, digitale Dokumentation und KI-gestützte Tourenplanung können die Arbeitsbelastung verringern, Zeitreserven schaffen und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben verbessern. Sie werden zunehmend als wichtige Ressource für die Berufsgesundheit erkannt.